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In seiner Einleitung zum Buch "Die Geschichte des Worringer Karnevals" schreibt Josef Gödecke: "Der Wurringer Fastelovend', der seit altersher in unserem Heimatgebiet einen legendären Ruf genießt, ist im Grunde eine Reflexion der eigenen Mentalität und geradezu ein Spiegelbild seiner Bürger. Er verdeutlicht ihre Menschlichkeit, Toleranz und Lebensfreude und zeugt von dem durch Jahrhunderte geprägten bäuerlichen Freiheitswillen." Seit jeher legte man großen Wert auf örtliche Eigenständigkeit. Jede Art von Reglementierung durch die Obrigkeit war verpönt. Diese Eigenständigkeit und Unabhängigkeit zeigt sich auch in besonderer Weise beim Funkenkorps der Großen Karnevalsgesellschaft, das seit seiner Gründung 1950 aus dem Worringer Karneval nicht mehr wegzudenken ist. |
So ist der Ursprung des "Worringer Funkenkorps" auch nicht in Köln zu suchen. Der Anlass der Gründung war die Gestellung des Worringer Prinzen durch die Große Karnevalsgesellschaft im Jahre 1950. Auf einer Mitgliederversammlung im Mai 1949 kündigte man für das Prinzengefolge die Bildung einer Tanzgruppe an. Das Prinzengefolge wurde dann von allen Mitgliedern gewählt, also auch das erste Tanzpaar Maria Jansen und Otto Trösser. Die übrigen Mitglieder der Tanzgruppe wurden zu einem späteren Zeitpunkt bestimmt. Weitere Gründungsmitglieder des ersten Tanzkorps der Großen Karnevalsgesellschaft waren neben dem oben genannten Tanzpaar Margarete Esser und Toni Leufgen, Anni Meurer und Heinz Axler sowie Margret Klasen und Franz "Tom" Michel. Das Training bzw. die Einstudierung des Tanzes übernahm eine Tanzlehrerin. Der erste Auftritt erfolgte anlässlich der Proklamation des Prinzen Andreas I. am Karnevalssamstag, dem 18. Februar 1950. Da diese Tanzgruppe als Prinzengefolge gedacht war, hatte man mit dem ersten Auftritt bis zur Prinzeneinführung gewartet und diesen nicht schon etwa auf der "Sitzung mit Damen" vorweggenommen. Im Protokollbuch der Großen Karnevalsgesellschaft heißt es: "Natürlich waren nicht nur die Mitglieder unserer Gesellschaft auf das Abschneiden dieser Neuerung im Worringer Karneval gespannt. Um es vorweg zu nehmen: Es wurde für alle Anwesenden ein Erlebnis. Die Flüssigkeit und der Schneid, mit dem der Tanz von der Gruppe vorgeführt wurde, ließen manchen vor Staunen vergessen, den Mund zuzumachen. (...) |
Es versteht sich von selbst, dass ein da capo dieses Vortrages stürmisch gefordert wurde." Der Auftritt eines Tanzkorps galt damals als eine kleine Sensation. Diese Tanzgruppe war so erfolgreich, dass schon am 20. Januar 1952 der erste Auftritt außerhalb Worringens, und zwar in Köln-Niehl erfolgte. Weitere Auftritte außerhalb unserer Heimat sollten folgen. Dieses ursprünglich gemischte Korps bestand in dieser Form bis Ende 1952. Doch als der Nachwuchs zahlreich nach vorne drängte, wandelte es sich zum rein männlichen Funkenkorps, ausgenommen natürlich das Tanzmariechen. Hinzu kam noch ein Fahnenschwenker. Das Tanzmariechen war Annemie Grün, der Offizier Hans Pitzler, der Kommandant, der damals noch die Bezeichnung Major trug, Heinz Axler und der Fahnenschwenker Günter Glöckner. Der Leverkusener Tanzlehrer Theo Greis studierte zwei Tänze ein und am 04. Januar 1953 fand der erste Auftritt dieses Korps in Vanikum statt. Die Männer nannten sich damals schon in Anlehnung an die Kölner Funkengarden Funken. Dies sollte jedoch auch die einzige Entlehnung aus dem "großen Kölner Karneval" bleiben. In bewusster Abgrenzung nannte man das Holzgewehr im Unterschied zum Kölner Karneval nicht Knabüs, sondern Jedöns. Auch der Traditionstanz des Funkenkorps, das Stippeföttche, hebt sich deutlich in Musik und Form von anderen Korps ab. Der nächste erwähnenswerte Höhepunkt in der Geschichte des Funkenkorps bildete die Session 1961/62: Der damalige Major des Tanzkorps, Hans-Peter Annas, schwang als Prinz Hans-Peter I. das Zepter über die Worringer Narren. Gleichzeitig war seine Frau Annemie Tanzmariechen im Funkenkorps, eine Zusammensetzung, wie sie aufgrund der vielfältigen Aufgaben des Prinzen und seiner Gattin heute nicht mehr möglich wäre. Im Frühjahr 1972 wurde auf einer Versammlung der Funken beschlossen, das Korps mit Traditionsuniformen auszustatten. Dieser Beschluss wurde alsbald in die Tat umgesetzt: Auf der 11.11.-Feier des Festkomitees Worringer Karneval am 11. November 1972 im Saal Gladbach präsentierte sich das Funkenkorps in neuem Gewande. Mit wenigen Ausnahmen hat sich die Uniform eines aktiven Funken bis heute nicht wesentlich verändert: ein rot-weißer Traditions-Waffenrock mit einem weißen Ledergurt und einer schwarzen Kartuschentasche, eine weiße Hose, ein weißes Hemd und eine weiße Weste, ein weißes Jabot, ein Paar weiße Handschuhe, schwarze Stiefel sowie ein schwarzer Dreispitz mit Perücke. Die Sicherstellung eines einheitlichen Erscheinungsbildes des Funkenkorps bei Auftritten und Umzügen regelt eine Uniformordnung. So ist es für einen aktiven Funken nach wie vor teuer, wenn seine Uniform nicht komplett ist. Die Uniform wird normalerweise nur in der Karnevalszeit angelegt. Das Spalierstehen zur Hochzeit eines Funken ist hier ausgenommen. In all den Jahren wurden nur wenige Ausnahmen gemacht, von denen der 50. Geburtstag des ehemaligen Festkomiteepräsidenten Willy Miebach und der 50. Geburtstag des Funkenbaas und jetzigen Festkomiteeehrenpräsidenten Robert Schneider erwähnt werden sollte. Mitte der 70er Jahre wurde auch das Amt des Funkendoktors eingeführt, das für zwei Jahre Willy Scheer innehatte. Seine Ausstattung bestand neben dem obligatorischen Dreispitz und den schwarzen Stiefeln aus einem weißen Kittel und einer Verbandstasche. Dieses Amt wurde jedoch im Gegensatz zum Amt des Koches, welches schon länger bestand nicht fortgeführt. Während der Kostümsitzung der Großen Karnevalsgesellschaft im Jahre 1974 wurde dem Funkenkorps eine Standarte überreicht, eine Stiftung des Funkenbaas Robert Schneider, der im gleichen Jahr Prinz in Worringen war. Im folgenden Jahr feierte das Tanzkorps im Saal Schwarz das 25-jährige Bestehen. Hierzu konnte man das erste Tanzkorps komplett begrüßen. |
In den folgenden Jahren herrschten drei weitere Funken über das Worringer Narrenvolk. In der Session 1992/93 schwang Peter Vollmer als Prinz Peter IV. das Zepter. In der Session 1998/99 wurde der ehemalige Tanzoffizier und langjährige Kommandant Robert Hecker als Prinz Robert II. für das Amt des höchsten Worringer Karnevalisten ausgewählt. In der Session 2004/2005 durfte mit Dr. Holger Miebach wieder ein ehemaliger Tanzoffizier und Kommandantdas Narren Zepter schwingen. Erwähnt werden sollte noch, dass das Funkenkorps alle Prinzen der Gesellschaft bei vielen Auftritten in und um Worringen begleitet. Nach wie vor ist es die wichtigste Aufgabe der Funken, das närrische Publikum durch tänzerische Darbietungen zu unterhalten. Dies geschieht nicht nur in Worringen, sondern auch weit über die Grenzen unseres Ortes hinaus. Unvergessen bleiben z.B. die Auftritte in der Düsseldorfer Stadthalle vor 2500 närrischen Zuschauern organisiert vom Bundesbahn-Sozialwerk, bei den Düsseldorfer Spiesratze Pestalozzihaus, bei den Närrischen Insulanern im Kölner Interconti-Hotel (jetzt Dorint-Hotel), bei der Nippeser Bürgerwehr im Haus Wolkenburg, bei der Pfarrsitzung in Maria im Kapitol oder bei der Steinmetz- und Steinbildhauerinnung im Gürzenich, bei der wohl einmalig im Worringer Karneval das Tanzmariechen im Worringer Vereinshaus vergessen wurde. Bei einer Fernsehaufzeichnung für den Westdeutschen Rundfunk in Zons wurde das Funkenkorps gar als Zonser Karnevalsverein angekündigt. Bei einem weiteren Auftritt in Zons wurde gar so heftig getanzt, dass der Putz von der Decke eines unter der Bühne liegenden Raumes auf das Buffet fiel. Neben den üblichen Auftritten in den Traditions-Uniformen begeistern die Funken das Publikum auf den Kostümsitzungen der Großen Karnevalsgesellschaft in unregelmäßigen Abständen mit sogenannten Originaltänzen. So stand das Funkenkorps schon verkleidet als Tiroler Holzhackerbuam, als Landsknechte, als Zigeuner, als Putzkolonne oder als Piraten auf der Bühne. Bei diesen Tänzen konnten übrigens auch ehemalige Funken und Tanzmariechen mitmachen. Die Geschichte des Funkenkorps der Großen Karnevalsgesellschaft zeigt, dass sich die Gepflogenheiten unseres Heimatfestes fortentwickelt haben. Eines hat sich jedoch nicht geändert: Der Charakter der Menschen in diesem Ort, die alljährlich ihren Fastelovend vorbereiten und voller Lebensfreude durchführen. Natürlich hängt dies mit viel Idealismus und Einsatz zusammen und mit den Menschen, die diese Idee verkörpern. Als Organ der Großen Karnevalsgesellschaft von 1926 betrachtet das Funkenkorps es als seine Aufgabe, heimatliches Brauchtum und die Tradition des Worringer Karnevals eigenständig zu pflegen. |